Geschichte des Vereins der Freunde der Antike

Schon lange vor der Gründung des Vereins der „Freunde der Antike auf der Museumsinsel Berlin" gab es Initiativen bürgerschaftlichen Engagements für die Antike in Berlin:

Bereits kurz vor dem Ersten Weltkrieg wurde im Februar 1913 auf Betreiben von Theodor Wiegand, dem damaligen Direktor der Antikensammlung und Wegbereiter des Pergamonmuseums, die „Vereinigung der Freunde antiker Kunst in Berlin" gegründet. Wiegands Motiv für diese Initiative war die Einsicht, daß die vielfältigen Aufgaben der Museen nur noch zu meistern waren, wenn neben der öffentlichen Förderung eine private Vereinigung helfend zur Seite stand. Mitglieder waren neben Kaiser Wilhelm II. führende Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft, darunter berühmte und heute noch geläufige Namen wie der Architekt Peter Behrens, der Industrielle Ernst von Borsig, der Komponist Richard Strauß, der Sammler und Mäzen James Simon, der Direktor der Deutschen Bank Oskar Wassermann oder Franz von Mendelssohn, Präsident der Handelskammer.

Wesentliches Ziel der Vereinigung war es, die Antikensammlung beim Ankauf von Neuerwerbungen zu unterstützen. Nach der für die Staatlichen Museen so erfolgreichen Epoche der großen Grabungen am Ende des 19. Jahrhunderts galt es, die Sammlungen in durchaus programmatischer Konkurrenz mit anderen großen europäischen Museen – vor allem natürlich Paris und London – zu erweitern und zu ergänzen. Gemeinsamer Nenner der Mitglieder war natürlich das Interesse an antiker Kunst, das in Vorträgen und Führungen seinen Ausdruck fand.

Die „Vereinigung der Freunde antiker Kunst" feierte 1938 ihr 25-jähriges Bestehen und konnte stolz auf eine Reihe von wichtigen Erwerbungen für die Antikensammlung hinweisen, darunter die großartige Göttin aus Tarent, höchstwahrscheinlich eines der ganz wenigen originalen Kultbilder aus dem griechischen Altertum.

Als nach dem Zweiten Weltkrieg die meisten Antiken erst nach langen Jahren des Exils in der Sowjetunion oder Sammelpunkten im Westen dezimiert und getrennt nach Ost- und West-Berlin zurückkehrten, bestand im Osten keine Möglichkeit, im Westen kein Bedürfnis, an die alten großen Traditionen anzuknüpfen. Über Jahre war man damit beschäftigt, die Museumsgebäude instand zu setzen, den Bestand zu sichten und somit die unmittelbaren Kriegsfolgen physisch und mental zu bewältigen. Erst nach einer langen Phase der Konsolidierung entstand 1979 aus einem Freundeskreis am Antikenmuseum in Charlottenburg ein Förderverein, der mit großem ideellem Einsatz, aber eher bescheidenen finanziellen Möglichkeiten, Neuerwerbungen ermöglichte sowie Führungen und Vorträge veranstaltete. Als Gründungsdatum gilt der 18. Oktober 1979. Treibende Kräfte im Antikenmuseum waren der damalige Direktor Prof. Dr. Wolf-Dieter Heilmeyer und sein Mitarbeiter Dr. Ulrich Gehrig.

Zum ersten Vorsitzenden des jungen Vereins wurde im Gründungsjahr der Jurist Prof. Dian Schefold, ein Sohn des bekannten Basler Archäologen Karl Schefold, gewählt. Vielleicht nicht zufällig gehörte zu den ersten größeren Aktivitäten des Vereins die Ausrichtung einer Feier, nämlich jener zum 20. Jahrestag der Eröffnung des Antikenmuseums in Charlottenburg, an die man am 28. September 1980 erinnerte. Schon bald gelang es dem Verein Berliner Sammler antiker Kunst für seine Arbeit zu interessieren und sie – ganz in der Tradition der Wiegand’schen Vereinigung – zu Stiftungen zu bewegen. Hier ist zuvörderst die Schenkung von C. Bartning, einer Tochter des bedeutenden Berliner Museumsarchäologen Karl Anton Neugebauer, zu nennen.

Nach dem berufsbedingten Fortgang von Prof. Dian Schefold wurde Jürgen Klebs, Vorsitzender Richter am Berliner Verwaltungsgericht, zum Vorsitzenden gewählt. Er hat sich nicht nur durch seine bis heute andauernde Mitwirkung im Vorstand, sondern vor allem durch seine in die Mitte der achtziger Jahre zurückreichende Initiative zum Guß von Künstlermedaillen ein buchstäblich ehernes Denkmal gesetzt. Mittlerweile haben vier bedeutende deutsche Bildhauer der Gegenwart für unseren Verein Medaillen geschaffen. Jüngstes – und vielleicht großartigstes - Beispiel ist die im November 2003 den Mitglieder präsentierte Medaille „Daphne und Apoll“ von Wieland Förster, die in ihrer fast monumentalen Formensprache eher an ein Tondo-Relief als an eine Medaille erinnert. Der Verein darf sich also rühmen, nicht nur Erwerbung und Rezeption antiker Kunst gefördert, sondern darüber hinaus zeitgenössische Künstler von Rang zur Auseinandersetzung mit klassischer Formgebung angeregt zu haben.

Auf Jürgen Klebs folgte im Juni 1988 Dr. Werner Simon als Vorsitzender und führte den Verein in das zweite Jahrzehnt seines Bestehens, das von wahrhaft historischen Umwälzungen geprägt sein sollte. Ihm ist es in erster Linie zu danken, daß eines unserer wesentlichen Vereinsziele, nämlich Kenntnis um und Interesse an der klassischen Antike in die Berliner Schulen zu tragen, nie aus dem Blick geriet.

Unmittelbar vor dem Fall der Mauer feierte der Verein sein zehnjähriges Bestehen mit einem Empfang in der Villa von der Heydt, nachdem man am 18. Juni 1989 des verstorbenen Gründungsdirektors des Charlottenburger Antikenmuseums, Adolf Greifenhagen, gedacht hatte. Es gab sicher nur wenige deutsche Institutionen, die vom Kollaps der DDR und der rasch vollzogenen Wiedervereinigung so unmittelbar betroffen waren wie die Staatlichen Museen zu Berlin. Buchstäblich in einem einzigen Augenblick ergaben sich für Deutschland, für Berlin und damit für die Staatlichen Museen Perspektiven, die keiner der Beteiligten für seine Lebenszeit vorhergesehen hatte. Bereits am 22. November dieses annus mirabilis der deutschen Geschichte unternahm der Verein eine Exkursion zum Pergamonmuseum und knüpfte erste Kontakte. Nach dem Mauerfall trat alsbald ein zweiter Verein auf den Plan, der sich als „Verein der Freunde des Pergamonmuseums“ für die Belange der Archäologie auf der Museumsinsel insgesamt engagierte. Erst die schrittweise Rückkehr der Antikensammlung in das Alte Museum – ihr Stammhaus seit 1830 –, die in der Eröffnung ihrer neuen Dauerausstellung im Mai 1998 gipfelte, und die noch lange nicht abgeschlossene Neuordnung der archäologischen Sammlungen auf der Museumsinsel hat die Notwendigkeit eines großen Förderkreises unabweisbar werden lassen. Deshalb entschlossen sich die beiden Vereine am 15. September 1997 zur Vereinigung, die zum 1.1.1998 vollzogen wurde und zur Konzentration ihrer Kräfte auf Antikensammlung und Vorderasiatisches Museum führte.

Zum Vorsitzenden des jetzt in „Freunde der Antike auf der Museumsinsel Berlin“ umbenannten Vereins wurde der Rechtsanwalt Jürgen-J. Vollhardt gewählt. Ihm gelang es in den Jahren seines Vorsitzes bis 2002 durch hartnäckiges Einwerben von Spenden bei Berliner Unternehmen, den Verein finanziell auf ein sehr solides Fundament zu stellen und damit seine Funktionsfähigkeit auch mittelfristig zu sichern. Seit Mai 1998 wurde Jürgen Vollhardt vom ersten Vorsitzenden des Kuratoriums, Prof. Dr. Friedrich-Leopold von Stechow tatkräftig unterstützt, der dann im Januar 2002 Herrn Vollhardt als Vorsitzender folgte und den Verein bis zum 7. April 2008 führte. An seine Stelle trat der frühere Präsident des Berliner Verwaltungsgerichts Alexander Wichmann.

Nun hat der Verein in den letzten 25 Jahren nicht nur vom Einsatz seiner Vorsitzenden gelebt. Zahlreiche Mitglieder haben sich im Vorstand oder an anderer Stelle engagiert. Stellvertretend sei hier etwa an das langjährige zuverlässige Wirken von Herrn Hermann Ulich als Schatzmeister, Herrn Prof. Dr. Gerhard Zimmer als Schriftführer oder Herrn Wilfried Stolze als Herausgeber der von 1997 bis 2002 erschienenen Vereinszeitschrift EOS erinnert. Seine Idee, den Verein durch eine regelmäßig publizierte Zeitschrift über Berlin hinaus bekannt zu machen, lebt in unserer seit Ende 2003 in der ANTIKEN WELT erscheinenden Rubrik „Museumsinsel Berlin. Neues aus Antikensammlung und Vorderasiatischem Museum“ fort.

Nach über einem Vierteljahrhundert ihres Bestehens präsentieren sich die „Freunde der Antike“ mit rund 800 Mitgliedern als einer der großen Fördervereine der Staatlichen Museen zu Berlin. Mit der Antikensammlung und dem Vorderasiatischen Museum unterstützen sie zwei archäologische Sammlungen von Weltgeltung, die nach innerer Reorganisation ungeduldig den noch immer fernen Tag erwarten, an dem sie in einem generalsanierten Pergamonmuseum endlich jenen Auftritt haben werden, der ihnen nach dem Rang ihrer großartigen Sammlungen zukommt.

Beispiele für satzungsgemäße Unterstützungen der Antikensammlung und des Vorderasiatischen Museums

Erwerbungen aus Mitteln des Vereins

  • Minoisches Rhyton, Inv. 1981,34. Ein Kultgefäß mit unterem Ausflussloch; um 1400 v. Chr.; ausgestellt im Alten Museum.
  • Attische Frauenkopfprotome, Inv. 1999,1; 475-450 v. Chr.
  • Jüngste Erwerbung aus Vereinsmitteln sind 36 Objekte aus dem Besitz von Kurt Kluge, der vor dem 2. Weltkrieg maßgebliche Beiträge zur Erforschung antiker Bronzegusstechnik geliefert hat, darunter die Votivfigur eines geometrischen Stierchens aus Olympia und attisch-rotfigurige Keramik des 5. Jhs. v. Chr. Von herausragendem Interesse für unsere Sammlung ist jedoch Kluges Nachguss des etruskischen Bronzekandelabers Friederichs 696; H. 135 cm; aus Lokri in Unteritalien vom Anfang des 5. Jhs. v. Chr. mit Ares und Aphrodite; der zu den Kriegsverlusten der Antikensammlung gehört und bislang nur durch Photographien dokumentiert war.
  • Daktyliothek Paoletti: Sammlung von Abdrücken antiker und neuzeitlicher Gemmen
  • Kopf Mommsen
  • Sammlung Zuschneid
  • Iranisches Keramikgefäß, Ende 2./Anfang 1. Jt. v. Chr.
  • Zwei nordsyrische Basasltgefäße, Anf. 1. Jt. v. Chr.
  • Trichterrandbecher aus Tell Halaf, Mitte 6. Jt. v. Chr. (Replikat)

Restaurierungen mit Mitteln des Vereins

  • Pergamenische Frauenstatuen vom Hof des großen Altares; 2. Jh. v. Chr.
  • neuer Bronzesockel für den Xantener Knaben nach dessen Restaurierung
  • 6 assyrische Beamtenstelen, Assur, 1. Hälfte 1. Jt. v. Chr.
  • Anthropoider Sarkophagdeckel, Babylon, 2. Hälfte 1. Jt. v. Chr.